Mittwoch, 17. August 2011

Unsere kleine Tuks-Familie

Vor exakt einem Monat kam ich an, hier in Pretoria, Südafrika, voller Erwartungen, Freude, Sucht nach Neuem, Abenteuer. Aber auch gefüllt mit Aufregung, in einer Mischung mit Fragezeichen im Bauch, Ungewissheit.  
Es stellte sich herraus, dass ich zwar auf meinen eigenen Füßen stehen kann, über meinen Aufenthaltsort informiert bin, soziale Kontakte schließen und pflegen kann, aber dennoch komplett unwissend und unerfahren bin - hinsichtlich dieses wunderschönen und zugleich doch unerschrockenen Landes. Dieser erste Monat ist nicht der Anfang, nein die Fortführung meines persönlichen Wachstums im Sinne von Offenheit, effektive Kommunikation und Tolleranz, zugleich aber auch -und für mich persönlich der schwierigere Teil dieser Erfahrung- Wachstum im Sinne von Vorsicht und Wachsamkeit.
Bei meiner Ankunft in Tuksdorp (Ein kleines Studentenwohndorf im Stadtteil Hatfield.) traf ich auf viele andere Austauschstudenten, aus anderen Kulturen, mit anderen Spachen, gleichen aber auch unterschiedlichen Werten. Wir lernen voneinander, gewollt und ungewollt, aber auch miteinander, indem wir zusammenhalten oder  uns streiten.  Diese Gruppe von Menschen wird für die kommenden Monate soetwas wie eine Familie für mich sein, ob ich will oder nicht. Schließlich kann man sich seine Familie auch nicht aussuchen, richtig?
Willkommen bei der Tuks-Familie!
Zu Beginn ist, wie wir ja alle wissen, immer alles Neue toll. So war es auch bei mir. Wir lernte gleich am ersten Tag ein neues Spiel aus Asien – Ultimate Frisbee, genauso lernten wir Werwolf kennen oder wir spielten Wortspiele mit „That’s what she said! – Haha.“ So bekam alles einen Hauch von einem Spiel. Es ging so weit, dass wir die südafrikanische Bürokratie (nämlich das unendliche Rennen nach sämtlichen Papieren, nutzlosen, übertrieben vielen Unterschriften und das Begehen dutzender, doppelter Wege) nach einem Spiel benannten: Pokémon! Level 5 wurde nach der Pre-Registration erreicht, Zwischenziel ist Level 17: Registration erledigt, Studentenausweis abgeholt, freigeschaltet, nochmal für unsere Unterkunft, den dortigen Waschraum und das Tor für den Parkplatz  freigeschaltet – alles einzeln, wenn ich betonen darf! Bis heute haben immer noch manche dieses Level nicht erreicht, oder müssen diese wiederholen. Warum? African time, alles geht halt doch ein wenig langsamer, oder umständlicher?  Beides?  Jedenfalls ein wenig..
Mit den ersten Wochenenden kamen auch die ersten Ausflüge, um das Land und seine Menschen zu erkunden. Ich muss zugeben, Bilder sagen mehr als Worte. Also seht selbst!  Diese kleine Liste von Ausflugszielen kann bei der Orientierung helfen:
  • Wochenende 1:  Am Samstag haben wir uns im örtlichen Stadium ein Rugbyspiel angeschaut. Wir sind am nächsten Tag nach Johannesburg gefahren, wo wir uns zunächst im Apartheid-Museum kulturell weitergebildet haben. Danach hieß es: Soweto (Southwesterntownships), wo sich ein altes, außer Kraft gesetztes, sportlich hergerichtetes Atomkraftwerk befindet. Das Ziel: Thijs‘, Bart’s und Eva’s Bungee Jump. Leider kamen wir zu spät und mussten uns mit typisch afrikanischem Essen zufrieden geben.
  • Wochenende 2: Freitag abends war Ausgehen mit ein paar alten Internationals angesagt, die ihre letzten Tage ihres Austauschs noch hier verbrachten und sich von ihren hier geknüften Freundchaften verabeschiedeten.  Der Samstag wurde mit einem erneuten und zufriedenstellenden Versuch für die Bungee Jumper begonnen, gefolgt von einem aufregenden Fußballspiel im riesigen FNB Stadium Soccer City, Pirates gegen Kaizer Chiefs. Nebenbei bemerkt, das Spiel war ein Nervenkitzel dank der Fans und der atembraubenden Atmosphäre, die diese erschufen, nicht wegen dem Kampf auf dem Grünen. Den Sonntag durfte ich mit einer kleinen Truppe außerhalb von Pretoria verbringen, wo in einem Amphitheater auf einem kleinem Berg  mit unbeschreibbarer Aussicht auf Pretoria und das umliegende Land ein kleines Konzert stattfand. Und ich beschloss, dass dies der Platz sein sollte, an dem  ich meinen letzten Tag meines Auslandssemesters verbringen möchte.
  • Wochenende 3: Krüger National Park! 
  • Wochenende 4: Again, Soweto. Es war so weit für meinen eigenen Freifall. Ein Sprung, der völlig gegen den natürlichen Verstand strebt, denn welcher gesunde Menschenverstand stürzt sich schon freiwillig aus einer lebensgefährlichen Höhen ins Nichts? Genau – Verstand ausschalten, genießen! Mein Herz schlägt immer noch schneller, wenn ich an die Sekunden meines Flugs denke. Aber auch an diesem Tag drufte ein wenig Kultur nicht fehlen, also besuchten wir das Mandela House, bekamen mehr Eindrücke von Soweto und der südafrikanischen Geschichte, und statten Soccer City nochmal einen kurzen Besuch ab.

    Das dritte Wochenende war wohl eins der herausfordensten Ereignisse bisher. Dabei bestand das kleineste Problem im Mieten von Autos und Unterkünften für 17 Leute. Verschiedene Meinungen, Schlussfolgerungen, Missverständnisse, Müdigkeit (weil wir 2-3 x um 4:00 Uhr morgens aufgestanden sind), sehr schlechte sanitäre Anlagen, ungewohnte Sicherheitsverhältnisse, aber auch Aufregung und Freude über das Erlebte zerrten an einigen Nerven. Aber im Endeffekt bleibt die Erinnerung an die großartige und sprachlos machende Landschaft und das Leben, das in ihr sprießt. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
    Nun kann man sich die Frage stellen was ich unter der Woche so mache. Das ist ganz einfach: Irgendwann muss ich doch auch mal Kraft für all diese Abenteuer tanken, oder nicht!?     
    Das schließt natürlich einen Austausch von internationalen Ansichten, Gerichten und Spielen (ja, damit haben wir nicht aufgehört) ein. Vorlesungen werden vorschriftsgemäß besucht, die Anmeldung im Fitnessstudio ist getätigt, das Lieblingsresturant unserer Truppe wurde bereits erkoren (Es heißt Roman’s, es gibt absolut leckere Pizza nach jedem Geschmack, Salat zum verlieben und täglich zwischen 3 und 5 pm 2 Cocktails zum Preis von einem. ) und die Zeiten für den Kletterclub am Trum vom Gymnastiktgebäude wurden erforscht. Erste Kontakte zu lokalen Studenten wurden geknüft und sind zu pflegen.     
    Die ersten 5 Handys (wir haben uns alle das gleiche 7€-Handy gekauft; zum Ausgehen und für unsichere Gegenden, wo man keine Wertgegenstände bei sich tragen sollte) wurden bereits gestolen und wieder ersetzt. Auch ich war betroffen. Ein bedrückendes Gefühl, gefärbt von Traurigkeit. Grund dafür ist, dass man die Freundlichkeit einiger Menschen hinterfragen und ihr misstrauen muss.  Gilt dies zwar nur für einen Teil der Menschen, muss es aber auf alle angewendet werden. Ehrlich, das fällt mir nicht leicht! Das ist nur ein kleiner Teil der Sichheitvorkehrungen, die mir mehr zu schaffen machen, als ich gedacht habe. Solche Vorkehrungen schließen die folgenden, einfachen Dinge ein: Niemals allein ausgehen, vor allem nicht im Dunkeln und besonders nicht als Frau (eine der am schwierigsten zu befolgenden Regeln); man muss überall durch Sicherheitsgates laufen, in die Uni hinein und hinaus, zum Wohndorf rein, vor der eigenen Haustür; Sicherheitsdienst an den Gates; Autos von innen immer verschießen und vieles mehr. In den vergangenen Wochen ging natürlich auch nicht das unendliche Leid spurlos an mir vorrüber, worin wohl auch ein Teil der kriminellen Machenschaften begründet liegen. Besonders beim Anblick vom Leid kleiner Kinder, gefüllt voller Unschuld, zerreißt es mir immer wieder mein Inneres. Genauso weitet mir ein Lächeln dieser Kleinen aber auch sofort das Herz. Ein Kontrast, den man in vielen Bereichen dieses Landes findet und den ich noch ein paar weitere Monate erkunden darf.
    Ich bin gespannt, lernbereit und freue mich auf neue Herausforderungen bezüglich der lokalen aber auch der internationalen Gegebenheiten!

    Donnerstag, 7. Juli 2011

    Der Countdown läuft.

    Noch genau 10 Tage sind es, in denen ich meine Füße auf deutsche Erde setzte.
    "10 Tage - was ist das schon." Äh - genau das denke ich mir auch. Und die To-do-Liste scheint immer länger, statt kürzer, zu werden.

    Verzweifeln wir mal nicht, es sind ja noch 10 Tage:
    10 Tage... in denen ich noch 4 Prüfungen schreiben darf.
    10 Tage... die ich habe, um mein Visum zu erhalten!
    10 Tage... in denen ich meine Wohnung ausräumen muss.
    10 Tage... um eine Packliste zu erstellen (die dann übrigens innerhalb von einem Tag in
                    die Tat -nein in den Koffer- umgesetzt werden muss).
    10 Tage... um mich von meinen Studienfreunden, Mitbewohnern, Familienmitgliedern und
                     allen mir lieb gewordenen Menschen zu verabschieden.
    10 Tage... um die Bestätigung meiner Kurswahl für meine Uni zu erhalten.
    10 Tage... um über 1200 Kilometer hinter mich zu bringen.
    10 Tage... in denen organisiert werden kann, dass bei unserer Ankunft (die an einem
                     Sonntag sein wird) irgendjemand vor Ort sein wird, der uns unsere Zimmer
                     im Wohnheim aufschließen kann.
    10 Tage... in denen ich mein Adressbuch weiter auffüllen kann.
    10 Tage... um zu realisieren, dass es keine...
    10 Tage... mehr sind.